Anlässlich des Pride Month hat die SPÖ Laxenburg gefragt, wie LGBTQIA+-Personen das Leben in Laxenburg erleben. Die ersten Rückmeldungen zeigen ein differenziertes Bild: Es gibt Menschen aus der Community, die Laxenburg als grundsätzlich lebenswert erleben. Es gibt aber auch den klaren Wunsch nach mehr Sichtbarkeit, mehr Unterstützung und einem deutlicheren Zeichen, dass queere Menschen in unserer Gemeinde selbstverständlich dazugehören.
Manche Rückmeldungen wirkten weniger wie persönliche Erfahrung, sondern eher wie der Versuch, der Gemeinde ein makelloses Zeugnis auszustellen: sinngemäß „Danke für die Akzeptanz aller Menschen“ — und damit sei eigentlich alles gesagt. Genau solche pauschalen und eher zweifelhaften Aussagen helfen aber kaum weiter, wenn es um konkrete Erfahrungen von LGBTQIA+-Personen geht.
Natürlich kamen auch nahezu reflexartige Rückmeldungen, die das Thema herunterspielen oder fordern, das Thema nicht zu behandeln. Auch aggressive Forderungen, sich „bei dem Thema LGBTQIA nicht instrumentalisieren [zu] lassen“, waren vorhanden.
Offensichtlich themenfremde, widersprüchliche oder erkennbar nicht ernst gemeinte Einträge wurden für die inhaltliche Bewertung nicht berücksichtigt.
Differenzierte Rückmeldungen zeigen das eigentliche Spannungsfeld
Eine Rückmeldung aus der Community beschreibt dieses Spannungsfeld sehr gut:
„In unserer Hausgemeinschaft fühlen [wir] uns wohl und erleben keine Diskriminierung und verstehen uns mit allen gut. Sonst würde ich auch sagen, dass wir nicht diskriminierend behandelt werden. Allerdings verhalten wir uns denke ich auch eher ‚unauffällig‘.“
Dieser letzte Satz ist entscheidend. Eine Gemeinde ist nicht erst dann offen, wenn niemand offen angegriffen wird. Eine Gemeinde ist dann offen, wenn Menschen nicht das Gefühl haben müssen, besser unauffällig zu bleiben.
Auch andere Rückmeldungen aus der Community sind geradeaus wohlwollend:
„Ich habe nur positive Erfahrungen gemacht!“
Das ist erfreulich und gehört genauso zum Bild. Wir wollen Laxenburg nicht schlechtreden. Aber wir wollen auch nicht so tun, als wäre alles erledigt, nur weil manche Menschen selbst keine Probleme wahrnehmen.
Vielleicht ist doch nicht alles gut, wie es ist?
Denn kaum war das Thema öffentlich sichtbar, kamen genau jene Reaktionen, die zeigen, warum Sichtbarkeit notwendig ist. Unter unserem Facebook-Beitrag wurden LGBTQIA+-Personen teils wüst beschimpft. Wörtlich hieß es:
„Bitte nicht diese geistig kranken Leute her her holen. Sollen die in Wien bleiben. Danke.“
Ein weiterer Kommentar sprach davon, man werde von Wien damit „zugemüllt“ und bat darum, Laxenburg mit dieser angeblichen „Vergewaltigung“ zu verschonen.
Wir mussten die Kommentarfunktion daraufhin deaktivieren. Solche Hasskommentare werden auf unseren Kanälen nicht geduldet, sondern entfernt und gegebenenfalls gemeldet.
Das sind keine sachlichen Gegenargumente. Das ist Hetze. Und es ist genau jene Sprache, die Menschen signalisiert: Bleibt lieber unsichtbar. Redet lieber nicht darüber. Zeigt euch lieber nicht.
Wer Offenheit behauptet, sollte Sichtbarkeit aushalten
Auch aus dem politischen Umfeld kamen Reaktionen, die das Problem eher bestätigen als entkräften. Sinngemäß wurde argumentiert, in Laxenburg seien ohnehin immer alle gleich behandelt worden, man müsse daher nicht ständig über solche Themen berichten. Wer das Thema aufgreife, bringe politisch offenbar sonst nichts zustande. Laxenburg sei seit Jahrzehnten offen, hier sei „die Welt noch heil“.
Das klingt zunächst nach Harmonie. Tatsächlich ist es aber eine bekannte Abwehrformel: Wenn „eh alle gleich behandelt werden“, müssen Betroffene nicht mehr gefragt werden. Wenn „die Welt noch heil“ ist, werden jene zum Problem erklärt, die auf Ausgrenzung hinweisen. Und wenn Sichtbarkeit als unnötige Störung empfunden wird, dann ist Gleichbehandlung eben noch nicht selbstverständlich.
Besonders wichtig ist daher eine weitere Rückmeldung aus der Umfrage:
„Ich denke, dass man (falls es noch nichts gibt) für Jugendliche eine Anlaufstelle bieten sollte oder auch da oder dort (zB im Pridemonth) eine moderate und sympathische Sichtbarkeit schaffen könnte. Ich denke man sollte sich hier mit der nötigen Sensibilität herantasten und subtile Sichtbarkeit fördern.“
Genau darum geht es – nicht um Provokation oder um Parteipolitik auf dem Rücken einzelner Gruppen. Sondern um ein klares, menschenwürdiges Signal: Auch queere Menschen sind Teil von Laxenburg. Jugendliche, die merken, dass sie anders lieben oder anders leben, sollen nicht das Gefühl haben, sie müssten damit allein bleiben. Familien, Freund:innen und Angehörige sollen wissen, wohin sie sich wenden können. Und die Gemeinde sollte sichtbar machen, dass Respekt nicht vom Mehrheitsgefühl abhängt.
Wichtig zur Einordnung: Die bisherigen Rückmeldungen sind keine repräsentative Studie. Dafür ist die Datenbasis noch zu klein und zu unterschiedlich. Aber sie zeigen etwas, das politisch relevant ist: Das Thema löst Reaktionen aus. Manche davon sind sachlich, manche kritisch, manche unterstützend. Andere sind offen abwertend.
Wir erwarten konkrete Schritte statt wohlklingender Selbstzeugnisse
Unser Fazit ist daher klar: Wer sagt, Sichtbarkeit sei unnötig, sollte zuerst erklären, warum schon ein sachlicher Beitrag über LGBTQIA+ so viel Aggression auslöst.
Wer behauptet, es gebe kein Problem, sollte zuhören, wenn Betroffene sagen, dass sie sich lieber unauffällig verhalten.
Und wer meint, Laxenburg sei für alle da, sollte kein Problem damit haben, das auch öffentlich zu sagen.
Soweit aus unserer Wahrnehmung und auch den öffentlichen Gemeinderatsprotokollen des Jahres 2025 exemplarisch ersichtlich ist: Themen wie LGBTQIA+, Gleichstellung, Antidiskriminierung oder Schutz vor Ausgrenzung wurden in den Sitzungen nicht als eigene Tagesordnungspunkte behandelt und es finden sich dazu auch keine konkreten Beschlüsse. Das ist bemerkenswert, weil unsere Umfrage zeigt, dass es auch in Laxenburg Erfahrungen, Unsicherheiten und teils deutliche Vorbehalte rund um dieses Thema gibt. Gerade deshalb braucht es mehr als Schweigen: Eine Gemeinde sollte sichtbar machen, dass alle Menschen unabhängig von sexueller Orientierung oder Geschlechtsidentität respektiert, geschützt und als Teil der Gemeinschaft gesehen werden.
Laxenburg ist eine lebenswerte Gemeinde. Gerade deshalb sollte gelten: Nicht nur die Mehrheit soll sich sicher fühlen. Auch jene, die weniger sichtbar sind, müssen wissen:
Ihr gehört dazu, ihr seid gemeint. Ihr seid nicht nur geduldet, ihr seid Teil dieser Gemeinde!
Unsere Antwort auf die zahlreichen negativen Reaktionen
Kritik an politischen Positionen ist selbstverständlich möglich. Was wir nicht stehen lassen, sind Beschimpfungen, Entwürdigung oder Aussagen, die Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung oder Identität als krank, minderwertig oder gefährlich darstellen. Das ist keine harte Meinung, sondern eine Grenzüberschreitung.
An alle, die selbst LGBTQIA+ sind oder solche Kommentare lesen müssen: Ihr seid nicht allein, und ihr müsst euch für eure Existenz nicht rechtfertigen.
Und an jene, die merken, dass dieses Thema bei ihnen Wut, Hass oder aggressive Gedanken auslöst: Auch dafür gibt es vertrauliche Beratung.
Sich Hilfe zu holen ist kein Gesichtsverlust. Es ist besser, als andere Menschen im Netz anzugreifen.
Anlaufstellen
Für Hass im Netz ist ZARA / #GegenHassimNetz eine sinnvolle Stelle: Dort gibt es juristische und psychosoziale Beratung für Betroffene von Hasskommentaren, Beschimpfungen und Cybermobbing; Kontakt: beratung@zara.or.at.
Für Hasspostings oder Hate Crimes gibt es zusätzlich die BanHate-App der Antidiskriminierungsstelle Steiermark. Sie ist ausdrücklich dafür gedacht, Hasspostings auf Social Media und Hassverbrechen zu melden.
Für Menschen, Angehörige oder Bezugspersonen, die mit Rechtsextremismus, Verschwörungsideologien oder anderer Radikalisierung zu tun haben, ist die Beratungsstelle Extremismus die beste österreichweite Adresse. Sie berät anonym, vertraulich und kostenlos; Telefon: 0800 20 20 44, Montag bis Freitag 10–15 Uhr. Die Stelle nennt ausdrücklich Rechtsextremismus, Ultranationalismus, Verschwörungstheorien und staatsfeindliche Gruppierungen als Themen.
Für Männer, bei denen Wut, Kontrollverlust, Aggression oder starre Rollenbilder eine Rolle spielen, kann Männerinfo/Männerberatung eine passende niedrigschwellige Anlaufstelle sein. Männerinfo bietet österreichweit rund um die Uhr anonyme, vertrauliche und kostenlose Krisenberatung unter 0800 400 777. Die Männerberatung Wien hat außerdem ein eigenes LGBTIQ+-Beratungsangebot und Gewaltpräventionsangebote.
Für Betroffene, Angehörige und das Umfeld von LGBTQIA+-Personen ist COURAGE relevant; die Beratungsstellen arbeiten laut eigener Darstellung daran, die familiäre und soziale Unterstützung für homo- und bisexuelle, trans*, inter* und nicht-binäre Personen sowie deren Umfeld zu stärken.