Am 23.4. fand der jährliche „Blick auf Laxenburg“ statt, der aufgrund des großen Andrangs – wohl begründet im Interesse am Verkehrsprojekt – im Theatersaal des Schloss Laxenburg verlegt wurde.
Der Einsatz der SPÖ Laxenburg für mehr Transparenz, Bürgerbeteiligung und Prüfung von Alternativen hat sich gelohnt. Das Projekt und die Verkehrsstudie wurden erstmals öffentlich vorgestellt, und es gab zumindest im kleinen Kreis auch die Möglichkeit, Fragen zu stellen
Kolportierte 400 Besuchende lauschten dem Rück- und Ausblick.
Die vorgestellten Ergebnisse liefern eine wichtige Grundlage für die weitere Diskussion. Gleichzeitig zeigen sie, dass einzelne Aspekte – insbesondere im Gesamtkontext des Verkehrs – weiter vertieft betrachtet werden sollten

Natürlich waren auch Vertreter der SPÖ Laxenburg anwesend, im Bild vlnr: Beatrix Breit, GR Michael Heidenreich, Isabella Heidenreich, GR Florian Schultz.
Foto: SPÖ Laxenburg
Alle Fotos & Grafiken: Bernhard Hansbauer, außer angegeben
Die präsentierten Inhalte wurden von einem externen Büro erstellt und können hier nicht direkt wiedergegeben werden. Wir fassen die wesentlichen Punkte daher zusammen.
Volles Haus im Theatersaal

Gut gefüllt konnte der Theatersaal des Schloss Laxenburg eine gediegene Bühne bieten.
Den meisten Raum nahm die Präsentation der Verkehrsstudie ein.
Ungewohnt transparent wurden Methodik, Vorgehensweise und Fragestellung präsentiert.
Zu Wort kamen Vertreter der Ersteller der Studie von der trafility GmbH sowie vom beauftragten kosaplaner.

Die Ausgangslage
Die Studie behandelt die Problemstellung, die wir alle kennen: Stau vor dem Bahnschranken. Hier wurden die Zeiten 7-8 Uhr morgens und 16-17 Uhr nachmittags als Spitzen gemessen, wobei letztere sich tatsächlich von 14-19 Uhr zieht – klar erkenntlich natürlich, dass es sich dabei um den Rückverkehr handelt.
Die Darstellung erfolgt nach Fahrtrichtungen, eine Differenzierung nach Quell- und Durchzugsverkehr ist in den präsentierten Unterlagen nicht im Detail ersichtlich und wurde bei der Präsentation nicht vertieft dargestellt.
Die Hypothese der Studie
Basis der Annahmen ist die Verkehrsentwicklung bis 2040 – langfristig zu denken ist hier auf jeden Fall sinnvoll, immerhin sind die Erneuerungszyklen der ÖBB zu berücksichtigen, aber auch das Fenster, das sich gerade durch die möglichen Finanzierungen ergibt.Der sogenannte „Planfall“ in der Präsentation war eine Zusammenführung des Referenzfalls mit dem Bau der Unterführung und den Annahmen zu ebendiesen Entwicklungen.

Als Annahmen werden auch eine Taktverdichtung postuliert – 5 statt 3 Züge in der Morgenspitze und eine Verdoppelung am Abend von 2 auf 4 Züge, sowie eine verlängerte Schrankensperrzeit von 4 statt 3 Minuten, was durch die Modernisierung bzw. Automatisierung der Schrankenanlage gegeben ist.

Vereinfachte Skizze zum Verständnis der Visualisierung von kosaplaner
Hier ist durchaus ein Knackpunkt zu erkennen: Die Annahmen gehen von einer deutlichen Zunahme von Verkehr und Bahnfrequenz aus und bilden primär ein Szenario mit steigender Belastung ab.
Wie es genau zu den Annahmen kann, bzw. mit welcher Wahrscheinlichkeit hier gerechnet wird, war nicht Teil der Vertiefung.
Hier ist festzuhalten: Die Ergebnisse sind naturgemäß stark von den zugrunde gelegten Annahmen abhängig
Grundsätzlich ist die Annahme plausibel, aber: unter diesen Voraussetzungen ist das Ergebnis (ohne Unterführung) zwangsläufig negativ, und wenn die Frage auf die Lösungseffizienz ausschließlich per Unterführung gestellt wird, rücken alternative Lösungsansätze in der Untersuchung naturgemäß weniger in den Fokus.

Auswirkungen der Unterführung

Hier wurden recht detaillierte Berechnungen angestellt – im Bild für die Morgenspitze – und ohne Unterführung, eingedenk einer leichten Zunahme des Verkehrs, ein „Rückstau bis zum Kindergarten“ postuliert, und eine Gesamtfahrzeit (Richtung Autobahn) von 8-9 Minuten errechnet.
Im konkreten Fall wird hier im Planfall der Unterführung eine Staureduktion, und eine Verkürzung der Fahrzeit erreicht.
Die Abendspitze
Hier zeigt sich ein entscheidender Punkt – selbst mit Unterführung würde der Stau nur um etwa 200m verkürzt werden. Grund dafür wird auch im Fazit genannt: „weitere Maßnahmen am Kreisverkehr“ wären notwendig.
Hier wird deutlich, dass zusätzliche Maßnahmen – insbesondere im Bereich des Kreisverkehrs – eine wichtige Rolle spielen könnten: Der Bahnschranken ist nicht das alleinige Problem für den Stau auf der B11, vielmehr die Kapazität des Kreisverkehrs, was sich am deutlichsten in der ausbleibenden Verbesserung der Situation in der Abendspitze zeigt: die Fahrzeit bleibt bei 9-10 Minuten, und der Stau wird auch nicht vermieden.

Das Fazit der Studie
Während der „Referenzplanfall 2040“ – also die Fortführung der beobachteten Situation mit Beibehaltung der Schranken und Antizipieren der Prognosen – als kritisch beschrieben wird, weil ausschließlich mit Verschlechterungen der Situation gerechnet wird, erscheint die Unterführung als einzige Lösung für Verbesserungen – zumal die Abendspitze hier fairerweise schon genannt wird.

„Signifikante Verbesserungen im Ort“ verspricht sich die Gemeinde von der Unterführung.

Ergänzende Einordnung aus dem Gespräch mit Gemeinde und Planungsbüros
In der Woche nach der Präsentation konnten wir in einem ausführlichen Gespräch mit dem Bürgermeister, Vertretern der Gemeinde sowie den beteiligten Planungsbüros (Trafility und kosaplaner) offene Fragen klären und die Ergebnisse vertiefen.
Dabei wurde bestätigt, dass die Unterführung auch ohne zusätzliche Maßnahmen am Kreisverkehr Verbesserungen für den Verkehr innerhalb Laxenburgs bringen kann – insbesondere durch weniger Rückstau in das Ortsgebiet.
Gleichzeitig bleibt der Kreisverkehr ein zentraler Engpass, für den mögliche Anpassungen zwar grundsätzlich denkbar sind, derzeit aber nicht Teil des konkreten Projekts sind. Als Voraussetzung für eine Verbesserung am Kreisverkehr wurde der Bau der Unterführung genannt.
In Bezug auf die Verkehrsströme wurde erläutert, dass in der Modellierung nicht zwischen Quell- und Durchzugsverkehr unterschieden wird, wobei der Anteil des lokalen Verkehrs als vergleichsweise gering eingeschätzt wird.
Insgesamt wurde deutlich, dass die Studie vor allem die Wirkung der Unterführung unter bestimmten Annahmen abbildet, während weiterführende Fragen – etwa zur Gesamtverkehrsentwicklung, zu möglichen Ergänzungsmaßnahmen oder zur konkreten Ausgestaltung im Detail – weiterhin einer vertieften Betrachtung bedürfen.
Zusammenfassung der Gemeindeposition
In der Ausgabe von „Der Bürgermeister informiert“ wird ebenfalls wieder berichtet:
Die Marktgemeinde sieht in den vorliegenden Verkehrs- und Machbarkeitsstudien eine wichtige Entscheidungsgrundlage. Eine endgültige Entscheidung über die Umsetzung der Unterführung wurde laut Gemeinde noch nicht getroffen. Offene Fragen bestehen insbesondere hinsichtlich Finanzierung und weiterer verkehrlicher Begleitmaßnahmen. Gleichzeitig wird die Optimierung des Kreisverkehrs weiterhin mit den Projektpartnern diskutiert.
Die wesentlichen Aussagen der Gemeinde lauten:
- Es liegt noch keine Entscheidung vor
- Die präsentierten Unterlagen werden ausdrücklich als aktueller Arbeitsstand bezeichnet.
- Laut Bürgermeister sei eine Entscheidung derzeit „noch nicht an der Tagesordnung“.
- Die Unterführung wird als technisch machbar dargestellt
- Kosaplaner präsentierte die technische Umsetzbarkeit anhand von 3D-Animationen.
- Die technische Seite wird in der Gemeindezeitung nicht als wesentliches Problem dargestellt.
- Die Verkehrsuntersuchungen werden als belastbare Grundlage präsentiert
- Trafility führte Verkehrsstromanalysen, Videoauswertungen, Drohnenaufnahmen und Simulationen durch.
- Die Gemeinde betont den hohen Aufwand der Datenerhebung.
- Die Finanzierung ist offen
- Die zentrale Unsicherheit sieht die Gemeinde derzeit nicht bei der Planung, sondern bei der Finanzierbarkeit durch Land und ÖBB.
- Wörtlich wird sinngemäß festgehalten, dass noch nicht endgültig geklärt sei, ob die Projektpartner die Umsetzung finanzieren können.
- Auch der Kreisverkehr bleibt Thema
- Die Gemeinde erklärt ausdrücklich, dass auf Basis der Verkehrsstromanalysen derzeit auch Optimierungen am Kreisverkehr mit den Projektpartnern besprochen werden.
- Damit wird anerkannt, dass die Arbeit mit der Unterführung allein noch nicht abgeschlossen ist.
- Die Gemeinde präsentiert sich als sorgfältig und faktenorientiert
- Im gesamten Heft wird mehrfach betont, dass Entscheidungen erst nach Sammlung aller Fakten und unter Einbindung von Fachleuten getroffen werden sollen.

