Die Diskussion rund um den Bahnübergang in Laxenburg wird seit Monaten intensiv geführt. Meist geht es dabei um die Frage, ob eine Unterführung die richtige Lösung ist, wie lange die Schranken geschlossen sind oder wie sich Rückstaus vermeiden lassen.
Diese Diskussion ist wichtig. Aus Sicht der SPÖ Laxenburg greift sie jedoch zu kurz.
Denn der Rückstau am Bahnübergang ist nicht die Ursache des Problems. Er ist ein sichtbares Symptom einer viel größeren Entwicklung: einer gesamten Region, die wirtschaftlich eng verflochten ist, deren Verkehrsströme aber nach wie vor stark vom Auto abhängig sind.
Ein regionaler Wirtschaftsraum mit tausenden Pendlerinnen und Pendlern
Die Gemeinden südlich von Wien bilden längst einen gemeinsamen Arbeits- und Lebensraum. Das zeigt ein Blick auf die Pendlerdaten von Statistik Austria.

Allein aus den Gemeinden Achau, Münchendorf, Laxenburg, Biedermannsdorf und Leopoldsdorf pendeln täglich hunderte Menschen in Richtung Wiener Neudorf und in die umliegenden Betriebsgebiete.
Pendlerinnen und Pendler nach Wiener Neudorf:
- Achau: 40
- Laxenburg: 69
- Münchendorf: 77
- Biedermannsdorf: 101
- Leopoldsdorf: 50
Das ergibt bereits 337 Personen täglich – allein mit Zielgemeinde Wiener Neudorf.
Berücksichtigt man zusätzlich die eng mit dem Industriezentrum verbundenen Gemeinden Biedermannsdorf, Guntramsdorf, Vösendorf und Brunn am Gebirge, steigt die Zahl auf rund 700 Pendlerinnen und Pendler aus diesen Gemeinden. Die tatsächliche Zahl dürfte noch höher liegen, da kleinere Pendlerströme in den Auswertungen gar nicht vollständig sichtbar werden.
Das Industriezentrum NÖ Süd ist eine eigene Stadt geworden
Das IZ NÖ Süd ist heute nicht einfach ein Gewerbegebiet.
Mit rund 390 bis 400 Unternehmen und etwa 12.200 Arbeitsplätzen hat das IZ NÖ Süd mittlerweile die Dimension einer eigenen Kleinstadt erreicht. Es erstreckt sich über die Gemeindegebiete von Wiener Neudorf, Biedermannsdorf, Guntramsdorf und Laxenburg.
Aufschlussreiche Daten liefert das Pendlerportal der Statistik Austria:

12.716 Ein- bzw. Erwerbspendler:Innen zählt die Statistk Austria für Wiener Neudorf, 9.619 „Auspendler:Innen“ – bei einer Bevölkerung von über 9.600 Menschen.

Laxenburg, bei einer Einwohnerzahl von etwa 3.300, hat über ein Drittel aller Einwohner täglich als Auspendler:Innen auf den Straßen. In den Ort – vermutlich am ehesten in den Laxenburger Teil des IZ NÖ Süd – pendeln täglich 2.361 Menschen.
Quelle: Statistik Austria (Link)
Jeden Tag bewegen sich tausende Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer durch genau jenen Raum, in dem sich auch die Verkehrsprobleme rund um den Bahnübergang abspielen.
Wer daher über Verkehr in Laxenburg spricht, muss zwangsläufig auch über die Entwicklung des Wirtschaftsraums rund um das IZ NÖ Süd sprechen.
Immer mehr Arbeitsplätze konkurrieren um dieselben Fachkräfte
Gleichzeitig verschärft sich der Wettbewerb um Arbeitskräfte.
Unternehmen berichten seit Jahren über Schwierigkeiten, ausreichend qualifiziertes Personal zu finden. Studien zeigen, dass der Fachkräftemangel mittlerweile zu den größten wirtschaftlichen Herausforderungen zählt.
Dabei spielt die Erreichbarkeit von Arbeitsplätzen eine immer größere Rolle.
Gerade bei jüngeren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern verändert sich das Mobilitätsverhalten deutlich. Viele Menschen verzichten bewusst auf ein eigenes Auto oder möchten den täglichen Arbeitsweg nicht mehr ausschließlich mit dem Pkw zurücklegen.
Gleichzeitig zeigen Untersuchungen, dass große Teile Niederösterreichs nach wie vor nur eingeschränkt mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sind. Mehr als ein Drittel der niederösterreichischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer verfügt über keinen oder nur sehr schlechten Zugang zu öffentlichem Verkehr. Nur rund 6,6 Prozent haben einen guten oder sehr guten Öffi-Anschluss.
Genau hier entsteht ein Problem: Wenn ein Wirtschaftsstandort mit mehr als 12.000 Arbeitsplätzen für viele potenzielle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nur schwer ohne Auto erreichbar ist, wird dies zunehmend zu einem Standortnachteil.
Die Bahn als Teil der Lösung
Vor diesem Hintergrund ist ein aktueller Antrag der SPÖ Bezirksorganisation Mödling an den Landesparteitag der SPÖ Niederösterreich besonders interessant.
Darin wird die Errichtung einer zusätzlichen Station an der Aspangbahn im Bereich des Industriezentrums NÖ Süd gefordert.
Wir begrüßen diesen Vorstoß ausdrücklich als Beitrag zu einer breiteren Diskussion über die Zukunft der Mobilität in unserer Region.

Denn die entscheidende Frage lautet nicht nur: Wie bringen wir den Verkehr möglichst schnell über oder unter die Bahn?
Sondern: Wie schaffen wir es, dass weniger Menschen überhaupt mit dem Auto fahren müssen?
Schon wenn lediglich fünf Prozent der rund 12.200 Beschäftigten des IZ NÖ Süd regelmäßig auf eine Bahnverbindung umsteigen würden, entspräche das mehr als 600 täglichen Nutzerinnen und Nutzern. Bei zehn Prozent wären es bereits über 1.200 Personen. Das zeigt, welches Potenzial in einer besseren öffentlichen Anbindung liegen könnte.
Transparenz statt Schnellschüsse
Die SPÖ Laxenburg hat sich von Beginn an für eine transparente Diskussion, nachvollziehbare Entscheidungsgrundlagen und die Einbindung der Bevölkerung ausgesprochen.
Dazu gehört auch, offen anzusprechen, dass die Entscheidung über eine mögliche Unterführung zwar wichtig ist, aber vermutlich nicht die einzige und möglicherweise auch nicht die wichtigste Zukunftsentscheidung für die Verkehrsentwicklung unserer Region darstellt.
Wer ausschließlich über ein Bauwerk diskutiert, läuft Gefahr, die eigentlichen Ursachen der Verkehrsbelastung zu übersehen.
Wir brauchen daher eine offene Debatte über:
- regionale Pendlerströme,
- die Zukunft der Aspangbahn,
- die Anbindung großer Betriebsgebiete,
- die Attraktivität öffentlicher Verkehrsmittel,
- die langfristige Entwicklung unserer Gemeinden.
Verkehr gemeinsam neu denken
Die Herausforderungen rund um den Bahnübergang werden nicht durch einfache Antworten verschwinden. Deshalb halten wir es für wichtig, die Diskussion nicht auf ein „Unterführung ja oder nein“ zu reduzieren.
Die eigentliche Frage lautet: Wie gestalten wir einen Wirtschaftsraum mit mehr als 12.000 Arbeitsplätzen, tausenden Pendlerinnen und Pendlern und wachsendem Verkehrsaufkommen so, dass Mobilität, Lebensqualität und wirtschaftliche Entwicklung langfristig miteinander vereinbar bleiben?
Der Antrag zur besseren Bahnanbindung des Industriezentrums NÖ Süd liefert dafür einen interessanten Impuls. Nicht als fertige Lösung. Aber als wichtigen Beitrag zu einer Diskussion, die wir gemeinsam, faktenbasiert und über Gemeindegrenzen hinweg führen sollten.
Weiterführende Informationen
- Pendleratlas Österreich
https://www.pendleratlas.at/ - Statistik Austria – Pendleratlas
https://www.statistik.at/atlas/pendler/ - Statistik Austria – Arbeitsort und Pendeln
https://www.statistik.at/statistiken/arbeitsmarkt/erwerbstaetigkeit/arbeitsort-und-pendeln - ecoplus Wirtschaftspark IZ NÖ Süd
https://www.ecoplus.at/wirtschaftsparks/ecoplus-wirtschaftspark-iz-noe-sued - Wirtschaftspark IZ NÖ Süd (Gemeinde Biedermannsdorf)
https://www.biedermannsdorf.at/Unser_Biedermannsdorf/Wirtschaft_Gastronomie/Wirtschaftspark - Arbeiterkammer Niederösterreich – Verkehrsstudie
https://noe.arbeiterkammer.at/verkehrsstudie
Fotos:
Schild IZ NÖ Süd, Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.en, Benutzer My Friend
Station Aspangbahn, Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.en, Benutzer Robot8A
Screenshots mt freundlicher Genehmigung der Statistik Austria, Quelle: Statistik Austria (Link), redaktionell bearbeitet
